Im Sechsten Canto des Śrīmad-Bhāgavatam wird erklärt, dass ein Lebewesen entsprechend der Guṇa der materiellen Natur, unter deren Einfluss es steht – Tugend (Sattva), Leidenschaft (Rajas) oder Unwissenheit (Tamas) – einen entsprechenden Körper erhält. Das Problem besteht jedoch darin, dass die meisten Lebewesen in dieser Welt den Guṇas der Leidenschaft und der Unwissenheit unterliegen.
Ein Mensch der unter dem Einfluss der Guṇa der Unwissenheit steht, beschäftigt sich ausschließlich mit den Bedürfnissen seines gegenwärtigen Körpers und versucht möglichst viele Sinnesfreuden zu genießen. Er denkt nicht darüber nach was danach kommt. Für ihn bestehen Glück und der Sinn des Lebens darin, den Magen zu füllen und die Sinne zufriedenzustellen.
Der Mensch sollte jedoch über Wissen verfügen, um zu verstehen, wie sein vergangenes Leben verlaufen ist und wie er in der Zukunft ein besseres Schicksal erlangen kann. Im Werk Bṛgu-saṁhitā kann man mithilfe astrologischer Berechnungen etwas über sein vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Leben erfahren. So oder so sollte jeder Mensch seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft kennen.
Aus der Sicht der vedischen Astrologie ist der Mensch eine auf der Erde verkörperte Seele – ewig, voller Wissen und von Natur aus glückselig. Die Seele ist ewig, der Körper hingegen vergänglich. Den Körper, den die Seele entsprechend ihren frommen oder sündhaften Handlungen erhält, bestimmt die materielle Natur und prägt dadurch ihre Lebensumstände.
Der eine erhält einen starken und gesunden Körper, der andere einen schwachen. Der eine wird schön geboren, der andere als Krüppel. Der eine kommt in einer wohlhabenden Familie zur Welt, der andere in einer armen. Die materielle Natur belohnt den einen und weist den anderen entsprechend den Handlungen aus vergangenen Leben zurecht.
Der Körper des Lebewesens ist ein komplexer Mechanismus, der aus materiellen Elementen besteht. In diesem Körper kämpft das Lebewesen um seine Existenz und bleibt dabei letztlich ganz auf sich allein gestellt – so lehren es die Veden.
Der Mensch besitzt einen grobstofflichen Körper, der für alle sichtbar ist, und einen feinstofflichen Körper, der unsichtbar bleibt. Der feinstoffliche Körper besteht aus sechzehn Elementen: den fünf Erkenntnissinnen, den fünf Handlungsorganen, den fünf Sinnesobjekten sowie dem Geist (Manas), der das sechzehnte Element bildet. Über dem Geist steht das siebzehnte Element – das eigentliche Lebewesen, die Seele. Allein sie erfährt das materielle Leben mithilfe der übrigen sechzehn Elemente und erlebt dabei drei Zustände: Glück, Leid und eine Mischung aus beidem.
Der Geist ist eine feinstoffliche Energie, die sich in den Luftströmen der Herzgegend bewegt. Er ist das Organ der Wahrnehmung, das sich überallhin erstrecken und den Raum durchdringen kann. Der Körper kann sich an einem Ort befinden, während der Geist sich im selben Augenblick an einem anderen Ort aufhält.
Der Geist hat nur zwei Aufgaben: Er nimmt das an, was für die Sinne günstig ist, und weist das zurück, was für die Sinne ungünstig ist. Der Geist lenkt den Körper. Der Körper handelt nach dem Willen des Geistes. Wenn der Geist Durst verspürt, greift die Hand nach einem Glas Wasser.
Der feinstoffliche Körper ist ein Produkt der drei Guṇas der materiellen Natur. Er besteht aus unüberwindlichen Wünschen und zwingt das Lebewesen, von einem Körper in den nächsten zu wandern und bald die Gestalt eines Menschen, bald die eines Tieres oder eines Halbgottes anzunehmen – so lehren es die alten Schriften. Im Körper eines Halbgottes genießt das Lebewesen Glückseligkeit, im menschlichen Körper leidet es, und im Körper eines Tieres wird es von Angst beherrscht.
Wünsche, die sich während einer Verkörperung aufgrund der Kürze des menschlichen Lebens nicht erfüllen konnten, werden zur Ursache der nächsten Geburt.
Die Wünsche werden in wahre, falsche und völlig falsche Wünsche eingeteilt. Jeder von uns trägt wahre Wünsche in sich, doch sie werden von falschen Wünschen verdeckt. Wir alle sehnen uns nach Liebe, Glückseligkeit, Schönheit und Ewigkeit. Doch die Dunkelheit der Unwissenheit verdeckt diese wahren Sehnsüchte, sodass der Mensch sein Leben der Verfolgung falscher Wünsche widmet.
Wir kommen in die materielle Welt, um unsere falschen Wünsche zu erfüllen. Unser Horoskop wird uns zusammen mit unserer Geburt wie eine Anleitung mitgegeben. Es hilft uns jene wichtige Information zu finden, die für jeden Menschen von Bedeutung ist, damit wir – nachdem wir unsere falschen Wünsche verwirklicht haben und von ihnen enttäuscht wurden – die wahren Wünsche der Seele erkennen.
Diese Anleitung wird jedem Menschen mitgegeben, der in die materielle Welt kommt. Doch die meisten Menschen wissen nicht, dass man sie lesen sollte bevor man den Körper benutzt, den man erhalten hat.
